Zu Gast im Traumstern

Regiesseur und Produzent Karl Piberhofer und Verleger Günter Kämpf


¿DADA? - HUGO BALL - DER BUCHSTABENKÖNIG
Ein biographischer Dokumentarfilm von Karl Piberhofer
D 2018, Farbe und S/W 92 Min.
Regie/Buch/Kamera: Karl Piberhofer
Mit Frank Arnold, Ursina Lardi, Michael Braun, Eckhard Faul, Simone Kornappel, Norbert Lange und Bärbel Reetz

Trailer

Hugo Ball (Frank Arnold) studiert Regie am Deutschen Theater in Berlin und wird Dramaturg in München an den Kammerspielen. 1914 als Kriegsfreiwilliger zurückgestellt wird er bald zum Kriegsgegner und emigriert mit seiner späteren Frau Emmy Hennings (Ursina Lardi) 1915 nach Zürich, wo sie das Cabaret Voltaire gründen, die Wiege DADAs.
Mit dem Elsässer Hans Arp, den Rumänen Marcel Janco und Tristan Tzara sowie dem hinzugerufenen Richard Huelsenbeck kreieren sie 1916 DADA und eröffnen 1917 die DADA-Galerie in der Zürcher Bahnhofstrasse, in der sie von Kandinsky bis Picasso die ganze damalige Moderne ausstellen. Dieses kurze DADA-Jahr ist schnell vorbei, als Ball sich abwendet: Er will keinen (DADA-) Ismus organisieren.
Der Film erzählt die Lebens- und Werkgeschichte Hugo Balls bis zur Schließung der Galerie DADA im Jahr 1917. Wenig bekannte und noch nie gezeigte Archiv- und Bildmaterialien machen die Hintergründe nachvollziehbar, die das Künstlerpaar Emmy Hennings und Hugo Ball in die Kriegsgegnerschaft und Emigration in die Schweiz und zur Entstehung DADAs führten. Zu den historischen Dokumenten zählen auch viele der Erst- bzw. historischen Neuausgaben der Autor*innen, die im Film als großer Bilderbogen aufgeblättert werden.
Eigens für den Film wurden zwei dokumentarische Lesungen konzipiert und im Herbst 2015 in Berlin im Literaturhaus und in der Landesvertretung von NRW unter dem Titel ERSTER WELTKRIEG – 100 JAHRE – DADA aufgeführt. Die dokumentarischen Aufnahmen dieser Lesungen bilden die Grundlage für den Film.
Der Film dokumentiert Hugo Balls eigenwilligen Weg zum „Buchstabenkönig“, der in seinen Lautgedichten mit faszinierend Wortmagie beeindruckt.
Zum ersten Mal wird die Biografie Hugo Balls in einem Film dargestellt. Bis heute ist der Erfinder DADAs einer der unbekannten Größen der Geistesgeschichte.
DADA ist – wie der DADA-Erfinder HUGO BALL - auch hundert Jahre nach der prägenden Szene, in der er im Frühsommer 1916 als „magischer Bischof“ in Zürich seinen weltberühmten Auftritt hatte, immer noch ein großartiges Rätsel.

Zur Hugo-Ball-Film-Matinée am So 27. Oktober um 12 Uhr
erwarten wir als Gäste zum Filmgespräch den Regisseur und Produzenten des Films Karl Piberhofer aus Berlin und den früheren Verleger Günter Kämpf aus Lich, der bei Anabas zahlreiche Dada-Bücher editiert hat. Beide diskutieren mit dem Publikum und auch miteinander über den Film und die Dada-Bewegung.


Regisseure Dario Dalla Mura und Elena Peloso


In Zuzsammenarbeit mit der DIG und JLU Gießen
im Rahmen der Reihe Migration

NOI, CITTADINI DEL MONDO – Wir, Weltbürger/innen

Italien 2015, Farbe, 55 Min.Ital. Mit engl. Untertitel
Gesichter und Stimmen, Geschichten und Erinnerungen von jungen Einwanderern, die nach Italien gekommen sind und dort leben. In ihren Geschichten spiegeln sich sowohl Heimweh und ihre Schwierigkeiten, als auch ihre Zufriedenheit in Schule, Arbeitswelt und Alltag wider. Sie werfen aber auch einen Blick darauf, wie wir sind und wie wir in einer gemeinsamen Zukunft leben könnten.

Mit Einführung und Aperitivo mit den Regisseuren Donnerstag, 14. November 2019 um 17 Uhr

Zeitzeuge Gerhard Wiese


IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS
Deutschland 2014, Farbe, 122 Min., FSK: ab 12
Regie: Giulio Ricciarelli
Darsteller: Alexander Fehling, André Szymanski, Gert Voss, Friederike Becht, Johann von Bülow, Hansi Jochmann, Johannes Krisch

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Endlich bekommt ein stiller Held von Nachkriegsdeutschland ein filmisches Denkmal, das er längst verdient hat. Fritz Bauer heißt der Mann, der als Generalstaatsanwalt in Hessen dafür sorgte, dass es in der Bundesrepublik anno 1963 zu den Auschwitz-Prozessen kam und keiner mehr sagen konnte, das hab ich nicht gewusst. Angestoßen wurde die Sache von einem umtriebigen Journalisten, mit den Ermittlungen betraute Bauer einen jungen Staatsanwalt - im Film eine fiktive Figur, die auf drei realen Ermittlern beruht. Was zum trägen Geschichtsunterricht hätte geraten können, entpuppt sich als ebenso spannendes wie anrührendes Drama über Vergangenheitsbewältigung und den aufrechten Gang. Ex-Goethe! Alexander Fehling bietet eine großartige Leistung als idealistischer Ankläger. Der im Sommer verstorbene Gert Voss stellt als Fritz Bauer einmal mehr unter Beweis, warum er von der Times einst zum besten Schauspieler Europas gekürt wurde. Mit dem letzten Kinoauftritt setzt die Theater-Ikone diesem stillen Helden ein wahrhaft großes Denkmal. Ein ganz außergewöhnlicher, sehr spannender, sehr berührender, sehr wichtiger Film!
Auschwitz? Das waren doch Schutzlager! Mit ihren Geschichtskenntnissen ist die Staatsanwaltschaft in Frankfurt nicht gerade vorbildlich - aber das scheint allemal typisch für die Bundesrepublik der Nachkriegszeit. Man schreibt das Jahr 1958. Der Adenauer macht das schon!, reden die Leute, Frauen dürfen nun auch ohne Zustimmung des Ehemanns arbeiten, meldet das Radio. Wirtschaftswunder, Konsum sowie heimelige Schlager bestimmen den Zeitgeist. In dieser biederen Gemütlichkeit der Vergessens und Verdrängens wirkt Thomas Gnielka, Journalist der Frankfurter Rundschau, wie ein lästiger Störenfried. Als er einen Lehrer anzeigen will, den er als ehemaligen KZ-Wärter enttarnt hat, erntet er nur Spott bei den Behörden. Lediglich der junge Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) nimmt sich der Sache heimlich an. Eigentlich ist er für Verkehrsdelikte zuständig, doch nun ist seine juristische Neugier geweckt. Je mehr er ermittelt, desto größer ist sein Erschrecken über die NS-Verbrechen. Er freundet sich mit dem Journalisten an und lernt durch ihn einen jüdischen Überlebenden von Auschwitz kennen. Dieses Land will die Wahrheit nicht wissen!, sagt der Mann, der über den Mord an seinen Zwillingen im Vernichtungslager nie hinweggekommen ist. Doch Radmann will diese Wahrheit wissen, erst recht, als er Unterlagen entdeckt, die auf die Spur der Täter führen…

Während es sich bei dem FR-Journalisten Gnielka und Generalstaatsanwalt Bauer um reale Figuren handelt, ist Johann Radmann ein fiktiver Charakter, der auf drei der damals ermittelnden Staatsanwälten basiert. Der dramaturgische Schachzug ermöglicht künstlerische Freiheiten, die das Drama erzählerisch voranbringen, ohne Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Der Held kann eine Reise durchleben und an seinen Aufgaben wachsen oder verzweifeln… Die Wahrhaftigkeit der Fakten ändert sich dadurch nicht: Meines Erachtens nach ist das Drehbuch sehr authentisch – es übertreibt nichts, es verzerrt nichts, es stellt das Ermittlungsverfahren korrekt dar, bescheinigt der Historiker Werner Renz vom Fritz Bauer Institut. (Dieter Oßwald in programmkino.de)

Zu Gast ist der Zeitzeuge Gerhard Wiese. Der 1928 geborene deutsche Jurist wurde als Mitarbeiter der Frankfurter Staatsanwaltschaft von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer beauftragt, die Anklageschriften gegen die NS-Verbrecher Wilhelm Boger und Oswald Kaduk zu verfassen. Beide wurden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Seine Erinnerungen an die Prozesse sind in das Drehbuch für den Spielfilm eingeflossen. Moderatorin Anika Wager wird das Zeitzeugengespräch mit Gerhard Wiese führen.

Matinée am So 10. November um 12 Uhr